Aktuelles | Friday, 03 October 2008
Der vermutliche Selbstmord der Starschauspielerin Choi Jin-sil schockiert dieser Tage Korea. Zwei Jahrzehnte lang begeisterte die Schauspielerin mit dem strahlenden Lächeln die Nation, nun ist sie nicht mehr.
Damit ist Choi bereits das fünfte Ikon der koreanischen Unterhaltungsbranche, das seit 2007 Selbstmord begannen hat. Vorher töteten sich bereits die Fernsehschauspielerin Jeong Da-bin, der Schauspieler Yeo Jae-goo und Ahn Jae-hwan. Ihre Tode weisen auf die dunkle Seite des koreanischen Showbiz, einer der boomenden Branchen mit Einfluss in gesamt Ostasien.
Choi Jin-sil wurde vorgestern in ihrem Haus in Seocho-gu, im südlichen Teil von Seoul tot aufgefunden. Ihren Tod begleiten Gerüchte, die sie in Verbindung mit dem vermutlichen Selbstmord Ahn Jae-hwans im letzten Monat in Verbindung bringt.
Choi, gerade einmal 39 Jahre alt, wurde gegen morgen des 1. Oktobers erhängt durch eine Bandage in ihrer Duschkabine gefunden, berichten Beamte der Seocho Polizeistation. Vorläufig geht die Polizei davon aus, dass sie sich selbst das Leben genommen hat, und schließt somit die Möglichkeit des Mordes weitestgehend aus.
“Nach Aussage ihrer Maskenbildnerin litt Choi unter Mobbing und sandte ihr eine SMS, dass sie sich bitte um ihre Kinder kümmern sollte, sollte Choi etwas zu stossen”, wusste ein Polizeisprecher zu berichten. Choi lässt 2 Kinder aus ihrer gescheiterten Ehe mit dem Baseballspieler Jo Seong-min zurück.
Dr. Hong Jin-pyo vom Asan Medical Center vermutet, dass mehrere Faktoren Choi in den Selbstmord trieben. Vor allem die Gerüchte, die auch von koreanischen Bloggern verbreitet wurden, dass sie Hand in Hand mit Kredithaien zusammengearbeitet hätte, um einen Kredit zurückzubekommen, den sie Ahn Jae-hwan gewährt hatte, belasteten sie sicherlich sehr.
Wie bekannt ist, leiden viele von Chois Freunden unter solchen Gerüchten, was einen finsteren Schatten auf die koreanische Blogosphere wirft. Bösartige Kommentare und Gerüchte verbreiten sich im koreanischen Teil des Internets oft wie ein Lauffeuer. Die Sänger Yuni und Choi sollen unter tausenden von böswilligen Briefen gelitten haben. Selbsternannte Tastaturkrieger haben sich auf die Stars eingeschossen, verbreiten unbestätigte Gerüchte und beleidigen die Stars bei jeder Gelegenheit. Am Dienstag gingen daher viele Portalseiten in Korea soweit, dass sie die Kommentarfunktionen in Artikeln zu Choi sperrten.
Ein Sänger, der sich zum versuchten Selbstmord bekannte, sprach kürzlich bei einem Fernsehauftritt über die Ängste und Einsamkeit unter der er und seine Kollegen leiden: “Du bist stets im Blick der Öffentlichkeit and die Meinung der Leute lässt dich klein und unfähig fühlen. Da Entertainer es aber oft gewohnt sind umsorgt und geliebt zu werden, wissen sie oft nicht, wie sie mit ihren Problemen alleine umgehen können.”
Korea hat die höchste Suizidrate der OECD Mitgliedstaaten. 24,7 Menschen pro 100.000 töteten sich 2007. Doppelt soviele, wie in Deutschland.